9.10.2014 Erfurt - Weimar



In Erfurt ist die Kirmes auf dem Domplatz aufgebaut. Oktoberfest auch hier. Ich schau mir noch die Grabplatte des Grafen von Gleichen mit seinen beiden Gemahlinnen an. Das Wetter ist toll. Viele Menschen sind in der Innenstadt. Suche den Ausgang. Ben begleitet mich ein Stück. Er ist mit dem Rad stecken geblieben und hat sich kurzfristig in einem leerstehenden Haus am Stadtrand eingenistet. Richtung Weimar über Vieselbach, Niederzimmern und Hopfgarten. Eine Gardine weht aus dem Fenster im Dorf. Ich höre Baugeräusche. Teilweise muss ich auf der Landstraße gehen. Eine Frau im Wagen mit Gießener Kennzeichen bietet mir Mitfahrgelegenheit an. Wanderer sieht man nicht mehr oft. Im Stausee in Hopfgarten ist kaum Wasser. Gestrandetes Boot. Baumwurzeln vom Grund wirken wie lebendige Krakentiere. Eine Campinggemeinschaft am Ufer. Angeln geht nicht. Bieten mir Portwein an. Zur Wende wie alle Anderen Besuchergeld abgeholt und eingekauft. Ein Stück Lutherweg und quer über das Feld. Fühl mich zu Hause unterwegs. Der Glockenturm auf dem Ettersberg zieht immer wieder meine Blicke und Gedanken an. Konnte nie verstehen, warum keiner was gegen das Töten im KZ Buchenwald gemacht hat. War doch weit genug zu sehen der Qualm aus den Schornsteinen. Nach Weimar rein wirkt die Stadt noch fremd auf mich. Stadteingänge zu Fuss zu passieren, bin ich nicht gewohnt. Das Schwanseeschwimmbad ist leer. Zur Innenstadt hin wird mir das Stadtbild vertrauter. Stoße hier auf meine eigene Geschichte. Grau und schmutzig in den 80er Jahren, als ich meine erste Ausbildung in Weimar absolviert habe. Internat. Vierer Zimmer. Neue Freundinnen. Die Eisdiele nah der MeFa genüßliche Ablenkung. Immer mit der schweren Reisetasche vom Bahnhof in die Erfurter Straße. Schule. Beruf. Erste Liebe. Biografie linear gedacht. In der Stadt sind Marktstände und Bühnen aufgebaut. Viele Leute sind unterwegs. Vorfreude auf den Zwiebelmarkt. Letzte Arbeitsgänge. Eine Mutter läuft ihrem Kind spanischsprechend hinterher. Esse die beste Pizza aller Zeit. Das Licht ist schön. DDR erscheint mir grad völlig absurd. In Weimar war ich sehr oft nach der Wende. Habe den Wandel etwas miterlebt. Ronny im Hostel stammt aus Meiningen. War 11, als er das erste mal in den Westen fuhr. Seine Mutter durfte öfter fahren. Sie war schon Rentnerin aufgrund einer körperlichen Behinderung. Er hat nichts vermißt in der DDR. Hatte einen Pelikanfüller und eine coole Federmappe. Konnte Westfernsehen, wenn auch nur in schwarz-weiß, sehen und hat sich später gewundert, dass es Colt Seavers auch in Farbe gibt. Die erste Fahrt mit dem Auto über die Grenze bei Mellrichstadt dauerte wegen dem Stau viele viele Stunden. Er hat sich verschiedenste Zeitschriften gekauft. Die Bravo. Reizüberflutung von den vielen neuen Farben, Gerüchen und Geräuschen in der Stadt. Kopfschmerzen. Die Lehrerin war uncool. Machte Ärger, weil er am Montag nicht in die Schule kam. Konnte nicht so schnell umdenken. Westausflug galt nicht als Entschuldigung. In die FDJ konnte er nicht mehr eintreten aber seine Jugendweihe mit 14 feiern.