26.9.2014 Warburg - Zierenberg

In Warburg noch ein Besuch im Rathaus. Eine Hochzeitsgesellschaft. Bei Ivonne noch Kaffee und Apfeltorte. Ihr kleines Etablissement möchte sich noch durchsetzen im Ort. Sie war 16 als die Wende war. Hatte einen Tag vor der Grenzöffnung ihren Freund und heutigen Ehemann kennengelernt und verbindet das historisch bedeutsame Ereignis mit ihrem glücklichsten biografischen Lebensabschnitt. Die DDR kannte sie durch einen stark reglementierten Ausflug mit der Schulklasse  nach Berlin und Urlaube in Mecklenburg direkt hinter dem Zaun. Man konnte rüber schauen aber die Situation nicht verstehen.
Ich gehe Richtung Kassel. Die Landschaft wird bergiger. Die Sonne läßt sich heute nicht blicken, doch der Desenberg ist immer noch aus der Ferne zu sehen. Zuckerrübenfelder und Mais. In Wettesingen über die Grenze nach Hessen. Hinter Breuna wird es waldig. Keine Internetverbindung und noch keine Bleibe in Zierenberg. Ich frage im Golfclub und werde ein Stück mitgenommen mit dem Auto nach Ehlen. Es ist duster und regnet. Noch 3 km nach Dörnberg. Dort ist ein Hotel. DUNKEL. Aber der Wirt öffnet mir die Tür. 3 Männer beim Würfelspiel im Funzellicht. Sie erzählen vom Geruch der Zweitakter nach der Maueröffnung im Ort. Sie waren sehr hilfsbereit. Einer war auch schon im Osten und kannte die Lage. Wurde im Restaurant anders bewirtet, als die eigenen Landsleute. Andere haben den Ossis alte Autos und faules Obst verkauft. Der Hotelbesitzer hat den Ostdeutschen kostenlos Unterkunft gewährt, weil seine Mutter aus Leipzig stammt. Sie konnte die Wiedervereinigung nicht mehr erleben.