22.9.2014 Delbrück - Paderborn




Die Internetverbindung ist schwach heute Morgen. Ich verabschiede mich von den Melchers und setze mich in ein Café und mache meine Aufzeichnungen und Postings. Ganz Delbrück ist auf den Beinen. Menschen in Trachten. Bayrischer Frühschoppen im Zelt. Ich esse noch 3 Reibekuchen vor der Wanderung. 16 km nach Schloß Neuhaus. Ein leerstehendes Haus interessiert mich. Das Gras im Garten steht hoch. Gardinen in den Fenstern. Verlassen. Im Schuppen noch Plastikspielzeug in der Ecke. Am nächsten Gehöft werden Kürbisse verkauft. Die Preise stehen dran. Das Geld wird in ein Glas gelegt. Ich erfahre von der alten Frau auf dem Hof, dass ihr Enkel die Kürbisse anbaut. Die Mädels studieren schon. Auch im Ausland. Es fängt an zu gewittern und ich darf mit in ihre kleine Stube. Sie macht "keinen Staat" mehr. Ist auch schon 82. Der Mann vor 15 Jahren gestorben. Sie erinnert mich an meine Oma Irmgard. Der Weg ist ganz schön am Kanal entlang und am Lippesee vorbei. Schloß Neuhaus. Barockgarten. Seit der Landesgartenschau restauriert und erneuert. Kathrin kommt mit dem Rad. Sie lebt mit ihrer Familie in einer Siedlung im Einfamilienhaus. Die "Insel der Glückseligen", wo sich die Nachbarn gut verstehen und aufeinander verlassen können. Sie schauen gemeinsam Fußballspiele an (seit dem "Wundertor" vom SCP 07 sind die Fahnen gehisst), Straßenfeste, Grillpartys... 1988 hat sie Uwe in Dresden kennengelernt. Sie studierte sozialistische Betriebswirtschaftslehre und er Elektrotechnik. Im Sommer 89 über Prag nach Budapest getrampt. Eine deutsche Lautsprecherdurchsage im Bahnhof. Zufällig waren sie grade da. Sonderzüge zur Weiterfahrt nach Wien... mit DDR Flüchtlingen. Man wußte zu dieser Zeit nicht viel über die Situation in den Botschaften. In Dresden gab es kein Westfernsehen. Ziel war der Balaton. Uwe hatte sein neues Zelt dabei (ein Leichtes... silbern mit Alustangen) in Berlin erstanden. Auf dem Zeltplatz gab ihm ein Wessi sein Aldizelt und 100 DM dafür. Er hat sich verführen lassen und würde es heute gern wieder umtauschen. Auf den Zug aufspringen... ? Daran dachten Beide nicht. Es ging zum Balaton. Die Familie in Berlin und im Erzgebirge war wichtig. Die hätte man nicht verlassen. Die Züge fuhren weiter. Der Dresdner Bahnhof wurde mit Polizei - und NVA Gewalt abgeschottet, als die Sonderzüge von Prag durch die DDR geschleust wurden. Bedrohliche Geräusche mit Schilder rasselten und Knüppel. Ein Schuss zur Abschreckung. Angst natürlich. Nach der Wende war alles anders. Von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft. Die Dozenten in der Uni wußten noch nicht viel. Studenten organisierten Podiumsdiskussionen und Vorlesungen mit hochkarätigen Professoren aus dem Westen und Anlageberatern. Prof. Hankel. Meeting mit dem Vorstand der Dresdner Bank. Man war völlig unbedarft. Neue berufliche Wege entwickelten sich in Westdeutschland und sie wollten als Paar zusammen leben. 2 Kinder. Einfamilienhaus. Der 10 jährige Hochzeitstag steht vor der Tür und wird mit der Familie im Elbsandsteingebirge gefeiert. Doch eingelebt.